Künstler-Wettbewerb

Ein Rapperswiler Künstler verziert die neuen Kirchenglocken

Die vier Glocken für den neuen Turm der Kirche St. Michael sind jede einem bestimmten Thema gewidmet. Für die künstlerische Gestaltung der Glockenzier wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, aus dem der Bildhauer Ernesto Ghenzi als Gewinner hervorging.       

Da eine Kirchenglocke nicht nur ein Musikinstrument sondern auch ein Kunstwerk ist, sollen die vier Dietliker Glocken durch entsprechende Inschriften und Verzierungen aufgewertet werden. Um einen geeigneten Künstler für die bildliche Umsetzung der vorgegebenen Themen der einzelnen Glocken zu finden, schrieb die katholische Kirchgemeinde Wallisellen, Dietlikon, Wangen-Brüttisellen Ende 2019 einen Gestalter-Wettbewerb aus.

„Dieses Vorgehen ist nicht unbedingt üblich“, erklärt Pierre Ilg, Architekt und Projektleiter des Kirchturmbaus, der den Wettbewerb initiiert hatte. Bei traditionellen Glocken könne in der Regel auf einen reichen Fundus an religiösen Motiven zurückgegriffen werden. „In diesem Fall verlangten die  aktuellen und abstrakten Themenschwerpunkte für die Glocken nach einer vertieften künstlerisch-gestalterischen Auseinandersetzung“, erklärt Pierre Ilg.

Vier Künstler eingeladen             

Mit „Weltkirche“, „Schöpfung“, „Glaubwürdigkeit“ und „Friede“ hatte die Kirchgemeinde vier Themen gewählt, mit der sie sich aktuell auseinander setzt oder die sie in einem theologisch-diakonischen Sinn beschäftigen. Im Rahmen des Wettbewerbs wurden die zwei Künstlerinnen Silvie Gorath, Schlierbach, und Doris Solenthaler, Gebenstorf, sowie die beiden Künstler Silvan Aeschbach, Aarau, und Ernesto Ghenzi, Rapperswil, eingeladen, bis Anfang Februar ihre Ideen und Entwürfe für die Glockenzier und die Inschriften der vier Glocken einzureichen. „Die vier Künstler präsentierten spannende Konzepte mit völlig unterschiedlichen Ansätzen“, sagt Pierre Ilg.

Beurteilt wurden diese von einer Jury, der unter dem Vorsitz des Berner Glockenexperten und Architekturhistorikers Matthias Walter auch Kirchenpflege-Präsident Hanspeter Kündig, Kirchenpfleger Richard Pfister, Gemeindeleiter Reto Häfliger und Pfarreirätin Debora Fossi angehörten.

Das Gremium machte sich seine Arbeit nicht leicht, sondern setzte sich in der dritten Februarwoche während eines ganzen Tages mit den eingereichten Arbeiten auseinander. Diese wurden vom Jury-Präsidenten durchwegs gelobt: „Die Fülle der Ideen und die Diversität der künstlerischen Herangehensweisen war höchst anregend und ein kulturelles Ereignis. Auch in den Werken, die nicht berücksichtigt werden konnten, steckt sehr viel Potential.“

Der Globus als Mittelpunkt

Als Zuschlagskriterien galten primär die Darstellung des Zugangs zur Aufgabe sowie die Nachvollziehbarkeit und der Wert der künstlerischen Umsetzung der einzelnen Themen. Dabei konnte der Bildhauer Ernesto Ghenzi mit seinen Entwürfen am meisten Punkte in der Jury sammeln und ging als Sieger aus dem Wettbewerb hervor. Der gelernte Steinbildhauer hat ausgehend von den vorgegebenen Schwerpunkten den Globus als durchgehenden Gestaltungsmittelpunkt gewählt, da alle vier Themen einen globalen Anspruch haben und über die einzelnen Konfessionen und Religionen hinausgehen. Um den Globus herum versinnbildlichen zwei Kreisbogen-Fächer das Umspannende und nehmen geläufige christliche Symbole sowie leicht verständliche figürliche Darstellungen auf. „Ernesto Ghenzi hat die Themen der vier Glocken nachvollziehbar in die  Darstellungen übertragen. Der Versuch, die Tradition der christlichen Themen mit aktuellen  Herausforderungen im Weltgeschehen zu verknüpfen, ist ihm geglückt“, sagt Matthias Walter.

Der Ostschweizer Künstler, dessen Atelier sich in einer alten Spinnerei in Rapperswil befindet, wird seine Entwürfe für die Glockenzier und die Inschriften nun in Originalgrösse auf Gips übertragen. Die Glockengiesserei fertigt daraus dann die Wachsmodelle, mit deren Hilfe die Verzierungen während des Bronzegusses im Ausschmelzverfahren geformt werden.

Der Bildhauer Ernesto Ghenzi präsentiert sein Konzept der Jury.  Foto: Pierre Ilg.