Glocken-Aufzug

Die Glocken sind im neuen Kirchturm angekommen!

50 Jahre lange haben die Angehörigen der Pfarrei St. Michael auf ihren Kirchturm warten müssen. Nun ist er fertig gebaut und am Samstag kamen die vier neuen Glocken auf zwei von Pferden gezogenen Wagen in Dietlikon an. Von rund 100 Kindern wurden sie einzeln den Turm hochgezogen.     

Ungeduldig scharrten die Pferde mit ihren Hufen.  Palmira, Cocada und Amira sowie die beiden Dunkelschimmel Artan und Lucky konnten es kaum erwarten, bis sie vom Hof Hochrüti in Wangen die Reise nach Dietlikon antreten durften. Dabei wog ihre Last schwer: über 1300 Kilogramm alleine die grösste der vier Bronzeglocken, die einzeln auf einem der beiden Wagen transportiert wurde. Die Kutschen sowie die Glocken selber waren durch aufwändigen Blumenschmuck, der von Blumen Frieden in Wangen gestiftet wurde, prächtig geschmückt. Gesteuert von den beiden erfahrenen Kutschern Renato Zahner und Oskar Diener schritten die Pferde durch den alten Dorfkern, wo der bunte Tross am Strassenrand bereits von vielen Zuschauerinnen und Zuschauern erwartet wurde, vorbei an der reformierten Kirche Wangen, die zur Begrüssung feierliches Geläut anstimmte. Gut gesichert von der Feuerwehr zogen Ross und Wagen weiter nach Brüttisellen.

Über die Zürichstrasse, unter der Bahnunterführung hindurch auf Dietliker Gemeindegebiet, vorbei an der reformierten Kirche, die ebenfalls ihre Glocken erklingen liess, erreichten Ross und Wagen nach rund einer Stunde den Vorplatz der Kirche St. Michael.

Von über 500 Menschen erwartet

Dort wurden ihre Ankunft von über 500 Menschen erwartet, die alle gemäss der geltenden Covid-19-Verordnung registriert und vorbildlich mit Gesichtsmasken ausgerüstet waren.

Ein Moment, den nicht nur viele Pfarreiangehörige, sondern auch Gemeindeleiter Reto Häfliger sehnsüchtig erwartet hatte: „Eine Kirche ohne Kirchturm ist einfach nicht komplett, ebenso ein Gottesdienst ohne Glockenklänge.“ Es folgten Ansprachen von Kirchenpfleger Richard Pfister, dem Präsidenten der Baukommission, sowie von Ernsteo Ghenzi, dem Rapperswiler Künstler, der die Glockenzier für die vier Glockenthemen „Weltkirche“, „Glaubwürdigkeit“, „Schöpfung“ und „Friede“ gestaltet hatte. Pfarreiadministrator Luis Capilla sprach ein Gebet und segnete anschliessend die vier Glocken, die nun nur noch einen kurzen, aber spektakulären Weg vor sich hatten: hinauf auf den neuen, 18 Meter hohen, freistehenden  Turm aus Sichtbeton. Seit dem Mittelalter ist es Brauch, dass die Jugend aus dem Dorf, die Zukunft jeder Pfarrei, für den Aufzug der Glocken besorgt ist. Für diese ehrenvolle Aufgabe standen rund 100 Kinder und Jugendliche aus Wangen, Brüttisellen und Dietlikon bereit.

Die ersten Glockenklänge

In Gruppen von jeweils rund 30 Kindern zogen sie solange an einem Seil, das über einen Flaschenzug geführt wurde, bis die mit bunten Blumenkränzen geschmückten Glocken eine nach dem anderen an ihrem Bestimmungsort im Glockenstuhl angelangt waren. Doch bevor sie sich langsam in Höhe schwangen, wurden sie erst nur zwanzig, dreissig Zentimeter angehoben, damit Jan Podzorski, der zuständige Projektleiter der Glockengiesserei H. Rüetschi AG, mit drei kräftigen Schlägen den Ton der neuen Klangkörper anschlagen konnte: das erste Glockengeläut der Pfarrei St. Michael, die 1970 ohne Turm erbaut wurde.

Noch wird es aber eine Weile dauern, bis die neuen Glocken ihren regelmässigen Dienst aufnehmen: erst zur Kirchturm-Weihe anlässlich des grossen Pfarreifestes vom 12. und 13. September werden sie die ersten katholischen Gottesdienste in Dietlikon einläuten.